Aufgabe und Ziel der Muhammad Iqbal Forschungsstelle

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Muhammad Iqbal gehört zu den wichtigsten Intellektuellen der islamischen Tradition im 20. Jahrhundert. Seit dem Anbeginn seines intellektuellen Schaffens bestimmt die Frage nach der Religion den archimedischen Punkt seiner Werke. Das viel beachtete Werk von Iqbal ist aber mit Fragen verbunden und verstrickt, die sich nicht nur auf eine Disziplin zurückführen lassen. Der Islam als Religion, seine Genese, soziale und politische Verortung werden bei Iqbal sowohl in philosophischer und spiritueller als auch in existenzieller Hinsicht thematisiert; denn die Philosophie und die Religion verweisen nach dem islamischen Gelehrten auf die Grenze allen menschlichen Erkennens, jedoch sind sie in ihrer jeweiligen Bestimmung stets grenzüberschreitend, ohne sich aber fremd zu werden. Zwischen Ost und West, zwischen der bildreichen Poesie und exakter philosophischer Begrifflichkeit, zwischen theologischer Nüchternheit und der Spiritualität, zwischen dem zitternden Glauben und Zweifel lässt Muhammad Iqbal Fragen entstehen, die erstens in ihrer Originalität kaum zu übertreffen und zweitens von virulenter Bedeutung für unsere Gegenwart sind. Wie lassen sich Philosophie und Religion aus dem Gesamtwerk Muhammad Iqbals bestimmen? Wie lässt sich das Verhältnis der Religion und Philosophie im Islam denken? Handeln sie von demselben Gegenstand? Wie kann die Religion innerhalb der Grenzen der Vernunft bestimmt werden?

Das Werk von Muhammad Iqbal bildet einen expliziten Forschungsschwerpunkt der Professur für Kalām, Islamische Philosophie und Mystik. Seit 2015 finden am Zentrum für Islamische Theologie (ZIT) regelmäßig Muhammad Iqbal Symposien statt. Die Konferenzen dienen nicht nur dem Austausch und der fachlichen Vertiefung, sondern auch der Präsentation einzelner Forschungsarbeiten, die sich dem Werk von Muhammad Iqbal widmen.

Die Auftaktveranstaltung 2015 ehrte zugleich das hundertjährige Jubiläum der Erstveröffentlichung des ersten philosophisch-poetischen Werks von Muhammad Iqbal „Die Geheimnisse des Selbst“ (Asrār-i ḫudī). Zu diesem Anlass begrüßten wir in Münster unter anderem den Enkelsohn Muhammad Iqbals, Herrn Walid Iqbal, außerdem Herrn Muhammad Suheyl Umar, den ehemaligen Direktor der Iqbal Academy in Lahore, einer Institution, die unschätzbare Ressourcen für die Erforschung von Iqbals Werk zur Verfügung gestellt hat. Daneben fanden sich Redner aus der Türkei, aus Bosnien und Herzegowina, aus Österreich und aus Deutschland ein, die über den Widerstreit zwischen Philosophie und Religion miteinander ins Gespräch kamen.

logo english 180x180Die Muhammad Iqbal Forschungsstelle unter der Leitung von Prof. Dr. Ahmad Milad Karimi möchte einen Rahmen für die Wiederbelebung der systematischen Erforschung Muhammad Iqbals Werke auf europäischem Boden schaffen und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sowie Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler unterstützen, die zu Iqbal forschen. Sie versteht sich in diesem Sinne auch als Forschungsnetzwerk und Denkwerkstatt. Die Forschungsstelle ist nicht lediglich dem Denken Iqbals selbst gewidmet, sondern will entscheidende Impulse für das islamische Denken setzen.



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